Es ist 17:00 Uhr. Ich stehe an der TV-Halle und sortiere das Material aus meinem Auto, das ich eben von der Radstrecke des Triathlons abgebaut habe. Seit 6:00 Uhr sind wir unterwegs um die Radstrecke aufzubauen, zu betreuen und schließlich wieder abzubauen. Auch wenn es zwischendurch die ein oder andere kleine Pause gibt, ist es doch ein anstrengender Tag. Und trotzdem finde ich es schade, dass er schon wieder zu Ende ist.
Nachdem auch das restliche Material aus Reinheim zurückgebracht und alles wieder verräumt ist, freue ich mich bei einem Feierabendgetränk schon wieder ein bisschen auf das nächste Jahr. Vor allem die schönen Begegnungen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie die fast durchweg positiven Rückmeldungen in den Tagen nach der Veranstaltung bedeuten mir sehr viel.
Doch warum soll der Triathlon nach seiner 30. Ausgabe nun zu Ende gehen? Das kann man sich mit gutem Recht fragen, wenn doch scheinbar alle zufrieden sind. Nun ja, wie so oft ist es kompliziert. Die Entscheidung, den Triathlon künftig nicht mehr stattfinden zu lassen, hat mehrere Gründe. Im Folgenden versuche ich, diese etwas zusammenzufassen.
Zum einen ist der Aufwand, den diese Veranstaltung erfordert, enorm. Die bürokratischen Hürden werden immer höher, der Anspruch der Teilnehmer steigt, und genau das Publikum, das wir eigentlich ansprechen möchten, wird zunehmend kleiner. Zu Beginn des Zeilharder Touristik Triathlons ging ein regelrechter Triathlon-Hype durchs Land. Mit unserer Veranstaltung trafen wir damals einen Nerv. Viele Teilnehmende packten ihre Kinder ein und machten sich mit dem Alltagsfahrrad auf den Weg zum Triathlon.
Doch im Laufe der Zeit haben sich der Sport, die Gesellschaft, und auch unsere Veranstaltung, stark verändert. Allein das Organisationsteam des TVZ umfasst rund 20 Personen. Von Catering über Sponsorenakquise bis hin zu Starteinteilung, Logistik und Stadionbeschallung musste an alles gedacht werden. Hinzu kamen immer strengere Auflagen seitens Behörden und Verbänden. Neue Streckenführungen wurden notwendig, um den Anforderungen des Triathlonverbandes zu entsprechen. Mit der Konsequenz, dass wiederum neue verkehrsrechtliche Anordnungen umgesetzt werden mussten.
So mussten beispielsweise Teile der Radstrecke in Spachbrücken vollständig gesperrt werden. Das hatte nicht nur zur Folge, dass mehr Absperrmaterial benötigt wurde, als die Stadt Reinheim überhaupt besitzt, sondern auch, dass einige Anwohner ihre Häuser zeitweise nicht mehr mit dem Auto erreichen konnten. Kurz gesagt: Der Aufwand wurde immer größer.
Und trotzdem ist es uns 30-mal gelungen, diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen.
Doch auch innerhalb des Vereins hat sich etwas verändert. So anstrengend der Weg für das Organisationsteam auch war, der Triathlon war immer eine abteilungsübergreifende Gemeinschaftsveranstaltung, bei der alle zusammengearbeitet haben. In den letzten Jahren wurde es jedoch zunehmend schwieriger, die notwendigen Dienste zu besetzen, sodass immer häufiger auf externe Helfer zurückgegriffen werden musste. Insgesamt ging es um über 700 Helferstunden an einem Feiertag.
Da stellten wir uns zwangsläufig die Frage: Wollen die Mitglieder diese Veranstaltung überhaupt noch? Und lohnt sich dieser immense Aufwand noch im Verhältnis zum Ertrag?
Auch anhand der Mitgliederbefragung sind wir intern zu dem Schluss gekommen, dass wir beide Fragen nicht eindeutig mit „Ja“ beantworten können. Deshalb haben wir uns entschieden, den Zeilharder Touristik Triathlon ab 2026 nicht mehr stattfinden zu lassen.
Sollte der Triathlon 2025 damit tatsächlich der letzte gewesen sein, möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken: bei allen Helferinnen und Helfern, ob aus dem Verein oder extern, bei den Freiwilligen Feuerwehren Reinheim und Spachbrücken sowie beim Roten Kreuz Reinheim. Ein ganz besonderer Dank gilt der Stadt Reinheim, insbesondere dem Sport- und Kulturamt, aber auch allen weiteren beteiligten Ämtern sowie den beiden Bürgermeistern der letzten 30 Jahre. Ohne eure Unterstützung wäre diese Veranstaltung undenkbar gewesen.
Ich hoffe, dass diejenigen, die sich, so wie ich, vor Jahren in diese wunderbare Veranstaltung verliebt haben, nicht allzu traurig sind. Und vielleicht habt ihr ja gute Ideen oder Anregungen, wie man den Triathlon in anderer Form weiterentwickeln könnte. Dann meldet euch gerne bei uns – wir haben immer ein offenes Ohr.
Für den Vorstand
Kay Schuchmann